Kognitive Reserve im Alter

Die Entwicklung im Alter wird maßgeblich von der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten - bzw. dem Entstehen kognitiver Defizite - geprägt. Letztere entscheiden bei "jungen" Alten über die Integration im Beruf, bei Menschen im höheren oder hohen Lebensalter über ihre Selbstständigkeit im Alltag. Tatsächlich betreffen kognitive Defizite mit der leichten kognitiven Beeinträchtigung schon bis zu 30 % der "jungen" Alten. Derartige kognitive Defizite entstehen jedoch nicht einfach als unmittelbare Folge neurobiologischer Veränderungen, sondern werden im Verlauf durch zahlreiche Risiko- und protektive Faktoren moduliert. Diese weithin mit dem Begriff der kognitiven Reserve beschriebenen Wechselwirkungen sind mit einer Reihe heterogener Faktoren - die von der Schulbildung über die soziale Schicht, bis hin zu genetischen Polymorphismen reichen sollen - assoziiert.

 

Die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Markern der kognitiven Reserve wurden bisher nicht umfassend untersucht. Das Teilprojekt verfolgt deshalb 2 Ziele: 1. die Bestätigung wichtiger Risiko- und protektiver Faktoren in der ILSE als große, fast 15 Jahre laufende Längsschnittstudie aus dem deutschsprachigen Raum, und die 2. Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Dimensionen der kognitiven Reserve. Ein erster Untersuchungsschritt gilt dem Vergleich der Altersentwicklung zwischen gesunden Studienteilnehmern und solchen, die im Verlauf eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder eine Alzheimer Demenz entwickelten mit Identifikation von Risiko- und protektiven Faktoren. Dabei werden sowohl sozialstrukturelle als auch persönlichkeitsgebundene Merkmale und neurobiologische Variablen berücksichtigt. Ein zweiter Schritt soll sich auf die Analyse der Wechselwirkungen zwischen den genannten Faktoren richten.

 

C. Sattler, M. Pohlmann, J. Schröder

 

Artikel

 

Pantel J., Kratz B., Essig M., Schröder J. (2003). Parahippocampal volume deficits in subjects with aging-associated cognitive decline. Am J Psychiatry, 160, 379-82.

Sattler C., Toro P., Schönknecht P., Essig M., Pantel J., Wahl H.-W., Kruse A., Schröder J. (in press). Kognitive Beeinträchtigungen und Demenzentwicklung: Verlauf und Risikofaktoren im Ost-West-Vergleich.

Schönknecht P., Pantel J., Kruse A., Schröder J. (2005) Prevalence and natural course of aging-associated cognitive decline in a population-based sample of young-old subjects. Am J Psychiatry, 162, 2071-7.

Schröder J., Kratz B., Pantel J., Minnemann E., Lehr U., Sauer H. (1998). Prevalence of mild cognitive impairment in an elderly community sample. J Neural Transm Suppl, 54, 51-9.

Toro P., Schönknecht P., Schröder J. (2009). Type II Diabetes in Mild Cognitive Impairment and Alzheimer’s Disease: Results from a Prospective Population-Based Study in Germany. Journal of Alzheimer’s Disease 16 (4): 1-5.

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Letzte Änderung: 01.11.2012