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Germanistisches Seminar

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
 

Kontakt:

tobias.bulang@gs.uni-heidelberg.de


 

Prof. Dr. Tobias Bulang

Fellow-Klasse 2018-19

 

Forschungsgebiete:

  • Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
  • Wissensvermittelnde Literatur
  • Johann Fischart Werkausgabe
  • Kommentar zu Fischarts Daemonomania Magorum
  • Literatur und Wissen

 

Lebenslauf:

  • geb. 18.11.1971 in Bautzen, verheiratet, zwei Kinder
  • Studium der Germanistik, Philosophie und der Erziehungswissenschaften an der TU Dresden und der Ohio-State-University Columbus/OH USA (1991–1998)
  • Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mediävistik und Frühneuzeitforschung der TU Dresden (Prof. Dr. P. Strohschneider) und am SFB „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ (1998–2000, 2002)
  • Stipendiat Stiftung Bildung und Wissenschaft (2000–2002)
  • Promotion TU Dresden (2002)
  • Wiss. Mitarbeiter (Ältere Deutsche Sprache und Literatur; Prof. Dr. B. Kellner) am Seminar für Deutsche Philologie der Georg-August-Universität Göttingen (2003–2004); an der Professur für Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung an der TU Dresden (2004–2007); am Deutschen Seminar der Universität Zürich und Mitarbeiter im DFG-Projekt „Fischart im Kontext“ (2007–2010)
  • venia legendi für das Gebiet „Deutsche Literaturwissenschaft: Literatur bis 1700“ durch die Philosophische Fakultät der Universität Zürich, 2009
  • Akademischer Oberrat a.Z. und Vertretungsprofessuren an der LMU München (2010–2012)
  • seit 1.10.2012: Professur für Ältere deutsche Philologie mit dem Schwerpunkt wissensvermittelnder Literatur an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg


Arbeitsvorhaben:

Gesundheit als Leitidee. Historische Kontexte und Normen und ihre Auswirkung auf gesundheitsorientiertes Verhalten. 

Die Idee der Gesundheit tritt heute anstelle älterer Orientierungen, worin sich ihr historischer Wandel manifestiert. Leitideen bestimmen menschliches Handeln nicht aufgrund natürlicher Überzeugungskraft. Sie werden implementiert und durch Verknüpfung mit Kontextfaktoren verbindlich gemacht. Dies erfolgt durch institutionelle Steuerung, durch Wissensvermittlung, durch Reklame. Der institutionalisierte Umgang mit der Krankheit, die arbeitsteilige Gliederung nach Lebensaltern und Berufen und der Individualisierungsgrad einer Gesellschaft sowie politische, rechtliche und wirtschaftliche Interessen bedingen maßgeblich, was jeweils unter Gesundheit verstanden wird. Bei der Untersuchung der Formierungs- und Umformierungsprozesse der Gesundheitsidee sind neben medizingeschichtlichen Sachverhalten auch religiöse und kulturelle Leitideen zu berücksichtigen, mit denen sich das Streben nach Gesundheit verbindet. Deutlich wird dies beispielsweise in der Rezeption der psychischen- und Suchterkrankungen, die mal als Strafe, Sünde oder Laster, mal als unvermeidbare Folge eines Gesellschaftssystems, mal als Krankheitsbild komplett verleugnet, mal idealisiert und mal als Absatzmarkt für psychotrope Substanzen erscheint. Gesundheit erweist sich als plural: synchron als Gleichzeitigkeit verschiedener Gesundheitsvorstellungen, diachron als Abfolge und Ablösung verschiedener Konzeptionen über längere Zeiträume hinweg. Der historische Vergleich mittelalterlicher und gegenwärtiger Gesundheitskonzepten bezweckt eine Archäologie gegenwärtig sich vollziehenden Wandels und der gegenwärtigen Funktionalisierungen von Gesundheit für verschiedene Belange. Die so herausgestellte Relativität der scheinbar fraglos geltenden Norm ist sodann als Bedingung und Herausforderung für je aktuelle Gestaltungen der Leitidee auszuweisen, die neben Chancen (z.B. Leidensminderung, Freiheitsräume, Zufriedenheit und Effizienz) auch Risiken bergen (Obstruktion von Freiheit, individueller Zwang zur Selbstoptimierung, Manipulierbarkeit).

 

Ausgewählte Publikationen:

  • Enzyklopädische Dichtungen. Fallstudien zu Wissen und Literatur in Spätmittelalter und früher Neuzeit, Berlin 2011 (Deutsche Literatur 2), [zugl. Habilitationsschrift Uni­versität Zürich 2009].
  • Barbarossa im Reich der Poesie. Verhandlungen von Kunst und Historismus bei Arnim, Grabbe, Stifter und auf dem Kyffhäuser, Frankfurt a.M. u.a. 2003 (Mikrokosmos 69), [zugl. Diss. TU Dresden 2002].
  • Die Praxis der Interpretation mittelalterlicher deutscher Texte und die Geschichte der Interpretationen – am Beispiel Walthers von der Vogelweide (L 19,17), in: Andrea Albrecht u.a. (Hg.), Theorien, Methoden und Praktiken des Interpretierens, Berlin, München, Boston 2015 (linguae & litterae 49), S. 205–235.
  • Naturkonzeption und Spracharbeit im ‚půch von den naturleichen dingen‘ Konrads von Megenberg, in: Daphnis 43 (2015), S. 1–24.
  • Experte oder Scharlatan? Leonhard Thurneysser zum Thurn und seine Uroskopie, in: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit 17 (2013), S. 161–182.
  • mit Raffaela Kessel, Joana van de Löcht und Nicolai Schmitt, Johann Fischarts ‚Daemonomania Magorum‘ im wissensgeschichtlichen Kontext. Ausblick auf Edition und Kommentar einer frühneuzeitlichen Dämonologie, in: Daphnis 43 (2015) H 2, S. 414–480.
  • Intrikate Expertise – Die magische Pharmakognostik des Leonhard Thurneysser zum Thurn, in: Hedwig Röckelein, Udo Friedrich (Hg.), Experten der Vormoderne zwischen Wissen und Erfahrung (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Zeitschrift des Mediävistenverbandes 17/2012 H.2), S. 118–136.
  • Zur Positionierung des Laien im Feld des Wissens. Bemerkungen zum ‚Renner’ Hugos von Trimberg, in: Martin Baisch, Elke Koch (Hg.), Neugier und Tabu. Regeln und Mythen des Wissens, Freiburg i.Br., Berlin, Wien 2010 (Rombach Wissenschaften, Reihe Scenae 12), S. 153–178.
  • Epistemische Kontingenzen und ihre literarische Aktivierung – Fallstudie zur Nomen­klatur der Pflanzen in Johann Fischarts ‚Geschichtklitterung’, in: Cornelia Herberichs, Susanne Reichlin (Hg.), Kein Zufall? Konzeptionen von Kontingenz in der mittel­alterlichen Literatur, Göttingen 2010 (Historische Semantik 13), S. 364–389.
  • Ursprachen und Sprachverwandtschaft in Johann Fischarts ‚Geschichtklitterung’, in: GRM N.F. 56 (2006) H. 2, S. 127–148.
Seitenbearbeiter: Geschäftsstelle
Letzte Änderung: 09.02.2018
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